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  • AutorenbildVerena Schiegl

Mein Start-up Leben: Das Leben als Frau in einer männerdominierten Branche

Aktualisiert: 26. Juli 2023

An manchen Tagen ist es leicht eine Frau zu sein, aber an den meisten steht sie vor einer Mauer voller Vorurteile.


Deine Gefühle stehen im Weg. Du kannst doch deine Brüste herzeigen. Frauen werden bevorzugt. Du bist emotional! Du denkst nicht rational! Du kannst nicht mit Zahlen umgehen! Wer hilft dir dabei? Du wirst scheitern! Weil du eine Frau bist. Du bist schwach! Weil du eine Frau bist. Du bist beinflussbar! Weil du eine Frau bist.


Egal wo! Egal! Immer, steht man vor Vorurteilen und oberflächlichen Aussagen. So oft frage ich mich, ob ich nur anhand meiner Brüste beurteilt werde, oder anhand meines Verstandes. Ja, ich weiß, diese Sichtweiße ist nicht neu.

Ich möchte Erklären wieso ich so wütend bin:


Ich gründe gerade mit einer zweiten jungen Frau, Felicity, ein Start-up. Es geht um Erotikliteratur. Wir wollen einen sicheren Zugang zur Entdeckung der eigenen Sexualität schaffen, aber auch einen Platz wo man seine Fantasien festhalten kann.



Wir sind in einem Förderprogram das für weibliche Gründer mehr Geld ausbezahlt, da Gründerinnen eher selten in der Start-up Szene sind. Nun, wir sind 11 Teams und davon sind weniger als die Hälfte von Frauen geführt. Es ist okay! Es gibt genderbezifische Stärken und Schwächen, dass ist schließlich wissenschaftlich belegt. Als junge Frauen, die in die Erotikbuchszene einsteigen wollen, haben wir uns an die erstaunten Blicke gewohnt. Wie gesagt, es ist okay!


Aber wo wird der Unterschied gemacht?

Meine erste Idee von uncovered books, ein Onlineshop für Selfpublisherbücher, haben wir aufgegeben, da sie leider nicht rentabel war. Felicity und ich waren auf vielen Workshops und Trainings zur Unternehmensgründung und sind meist in Kontakt mit männlichen Trainern gekommen. Männer sind vorsichtig, wenn sie Kritik aussprechen. Und das - ist nicht okay. Wir haben oft miterlebt, wie die Mentoren zu anderen Gründern sehr ehrlich sind und deren Bedenken aussprechen, während uns die Kritik oft nur durch die Blume gesagt wurde. Als müsste man uns beschützen.


Die folgenden Worte möchte ich nur einmal schreiben.

Wir haben uns genau überlegt, worauf wir uns einlassen! Wir sind im Stande Kritik anzunehmen! Wir sind jung und bestimmt unerfahren in vielen Bereichen der Unternehmensgründung, deshalb wollen, nein, brauchen wir die ehrliche Kritik!

Es gab einen


Mentor, der mir in Gedanken geblieben ist. Er sagte in etwa: "Keiner braucht heute noch einen Onlineshop. Vergiss es, das will niemand. Aber du hast den Biss, du könntest etwas Großes schaffen."

Ja! Genau das ist die Ehrlichkeit die wir wollen!


Nun ja, hätten wir öfter unverblümte Kritik bekommen, hätten wir das Problem von uncovered books vielleicht vorher erkannt.


Aber das war nicht der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat. Neulich waren wir auf einem Workshop und wir sollten etwas präsentieren. Ich war die einzige Frau in einer Gruppe von Männern. Sie sind sympathisch und ich kann wirklich gut mit ihnen, bis einer ein Eigentor geschossen hat. Als es um die Präsentation der Ausarbeitung ging, zwinkerte mir ein äußerst attraktiver Mann (der auch selbst weiß, dass er sehr attraktiv ist) zu und meinte, ich mach das schon. Einmal zwinkerte er und grinste verschmilzt. Zweimal zwinkerte er und grinste verschmilzt. Spätestens beim dritten Mal hätte ich weich werden müssen und einwilligen die Präsentation allein zu machen. Ich denke, er hat damit gerechnet, dass ich nach dem dritten Augenzwinkern, das mir die Welt in bunten Farben versprach, weich werde.

Jeder hat seinen eigenen Teil präsentiert. Auch er.

Weißt du, was das schlimmste ist? Mir wurde erst Zuhause bewusst, wie er mich sehen muss das er überhaupt so eine Masche abzieht. Naiv? Leicht zu beeindrucken?

Es hat mich verletzt, dass er mich offenbar nicht als die starke Frau sieht, die gerade ein St


art-up gründet. Ob ihm bewusst ist, dass er meine Gefühle verletzt hat?


Ich bin nicht feindlich gegenüber Männern, ganz im Gegenteil! Ich konnte immer besser mit Männern umgehen. Mein Leben lang habe ich mich in männerdominierten Branchen wiedergefunden. Ob in der Schule, als ich Schlagzeug mit den Jungs aus meiner Klasse lernte, oder später als ich mit 18 Jahren als einzige Frau unter 20 Autoverkäufern stand und Autos verkaufte. Oder als Assistentin bei einem Urologen, wo ich sehr viel mit männlichen Patienten zu tun hatte. Ich habe immer zu mir gestanden und das werde ich auch weiterhin. Ich werde nicht von einem charmanten Augenzwinkern weich. So bin ich nicht aufgewachsen.


Es wird nicht das letzte Mal sein, dass ich mir meiner Brüste so sehr bewusst gemacht werde. Es wird immer irgendwo jemanden geben, der glaubt, dass wir beeinflussbar und naiv sind, dass wir nicht so stark sin


d.

Und weißt du was?

Es ist völlig egal, welches Geschlecht diese Person hat. Ich würde mich auch aufregen, wenn es eine Frau gewesen wäre.


Mein Ärger richtet sich gegen das Verhalten und die Engstirnigkeit des Charakters.

Mein Ärger richtet sich gegen alle Vorurteile die wir tragen müssen.


Wir sind stark, weil uns die veraltete Ansicht der Gesellschaft erlaubt, weinen zu dürfen. Und nach dem Weinen oder dem Schreien in einen Polster geht es einem viel besser! :)


An alle guten Männer da draußen, und ich weiß genau, dass es viele von euch gibt. Es tut mir leid, dass ihr alle in einen Topf geschmissen werdet. Danke, dass ihr uns mit all unseren Stärken und Schwächen akzeptiert.

Schließlich ist doch jeder, egal ob Mann oder Frau und alle Spektren dazwischen, selbst für sein Verhalten verantwortlich.


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